Guinea hatte Jahrzehnte unter Staatsstreichen und Militärdiktaturen zu leiden.
Die direkten Nachbarn Sierra Leone und Liberia haben schlimmste Bürger-
kriege hinter sich und sind noch lange nicht über dem Berg. Diese Region mag
reich sein an Ressourcen. Doch die allermeisten Menschen haben so gut wie
nichts davon. Auf jeden Fall gibt es nicht genug Schulen oder Kranken-
stationen, die diesen Namen auch verdienen.
Wenn der Kleinbauer in Kailahun, im Osten von Sierra Leone, kein sauberes
Wasser hat und keine Seife, wenn er nicht lesen und schreiben kann, wenn er
nicht weiß, wie er sich vor Ebola schützt, dann riskiert er sein Leben und das
seiner Familie. Gleichzeitig hat er Angst vor den Helfern, die in ihren
Ganzkörperanzügen in sein Dorf kommen und Desinfektionsmittel sprühen.
Noch immer verbreitet sich das Virus schneller als das Wissen. Die Menschen
in den betroffenen Gebieten trauen ihren Behörden nicht. Staatliche
Krankenhäuser sind oft in einem so skandalösen Zustand, dass Kranke dort
eher sterben, als geheilt zu werden.
Schuld daran ist nicht nur die Korruption: Eine große Verantwortung für die
nachhaltige Misere der öffentlichen Gesundheits- und Bildungssektoren tragen
auch die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF). Sie haben den
Ländern "strukturelle Anpassungsprogramme" diktiert, Krankenhäuser und
Bildungseinrichtungen wurden weitgehend privatisiert. Das brachte den
Ländern zwar gute Noten bei Weltbank und IWF ein, aber Gesundheit und
Bildung wurden unbezahlbar für viele Menschen, schon lange vor Ebola.
Quelle und gesamter Artikel: http://www.tagesschau.de/kommentar/ebola-kommentar-
101.html