Emile in Guinea ist der "Patient Null"
ARD-Korrespondent Wolfgang Göbel fasst die Ereignisse folgendermaßen
zusammen: “Ground Zero der Ebola-Seuche ist Guinea. Dort, in einer Hütte in
einer kleinen Siedlung im Regenwald, erkrankte vor fast genau einem Jahr der
einjährige Emile, er stirbt nach wenigen Tagen und gilt heute als mutmaßlicher
"Patient Null".
Binnen eines Monats stirbt Emiles Familie, das Drama nimmt seinen Lauf. Weil
niemand weiß, wie ansteckend Ebola ist.
Weil das Virus nicht nur auf bettelarme Länder, sondern auch auf völlig unvor-
bereitete Politiker und Behörden trifft. "Das ist verheerend", sagte der Ebola-Ent-
decker Peter Piot schon im Frühjahr. "Dies ist eine Epidemie, die durch marode
Gesundheitssysteme verschuldet wurde. Krankenschwestern und Ärzte sterben als
erstes, dann die Angehörigen der Opfer. Das fehlende Vertrauen in den Gesund-
heitssektor - das ist mindestens so gefährlich wie das Virus selbst."
Das Ebola-Virus wird zunächst unterschätzt. Obwohl die erfahrene Hilfsor-
ganisation "Ärzte ohne Grenzen" bereits im März eindringlich warnte.
Viel zu spät wacht die Weltgemeinschaft auf
Doch der Hilferuf verhallt so gut wie ungehört. Bis die Weltgemeinschaft endlich
aufwacht, ist es für einen schnellen Erfolg zu spät. Erst im August spricht die
WHO von einem "Internationalen Gesundheitsnotfall".
Die Hilfe kommt erst richtig in Fahrt, als auch Europäer und Amerikaner in West-
afrika an Ebola erkranken und nach Hause geflogen werden. Plötzlich werden
Milliarden Dollar zugesagt, bald bauen Soldaten Behandlungszentren auf, auch aus
Deutschland kommen freiwillige Helfer.
Doch auch wenn in manchen Gebieten die Zahl der Neuinfektionen langsam
zurückgeht und mehr Menschen als bisher Ebola überleben: Von Entwarnung kann
keine Rede sein. Zehntausende Kinder gehen nicht mehr zur Schule, viele von
ihnen hat das Ebola-Virus zu Waisen gemacht. Und die wirtschaftlichen Folgen
sind in Liberia, Guinea und Sierra Leone noch gar nicht absehbar.
Experten hoffen, die Epidemie 2015 endlich unter Kontrolle bringen zu können,
auch dank intensiver Forschung an Impfstoffen. Doch bis dahin werden noch viele
Menschen an Ebola sterben - oder an den Folgen: Weil die Gesundheitssysteme
zusammengebrochen sind, werden Krankheiten wie Malaria oder Cholera nicht
mehr behandelt. Frauen sterben bei Geburten, weil Hebammen aus Angst vor
Ebola die Arbeit verweigern. Ein Jahr nach dem Tod des kleinen Emile in einer
Hütte im Busch von Guinea ist der unsichtbare Gegner Ebola noch lange nicht
besiegt.”
Quelle und gesamter Artikel: http://www.tagesschau.de/ausland/ein-jahr-ebola-in-westafrika-
101.html