Papst Franziskus hat fehlende Zuneigung in der Welt bemängelt. "Wie sehr
braucht doch die Welt von heute Zärtlichkeit", sagte der Pontifex während
der Christmette im Petersdom in Rom. Trotz Krieg und Unterdrückung habe
Gott die Menschheit nicht aufgegeben.
Der Heilige Abend des Papstes begann mit einem Anruf. Noch vor Beginn der
Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan telefonierte Franziskus mit Flüchtlingen, die
in einem Lager nahe der nordirakischen Stadt Erbil leben. In dem Telefonat, das
von einem italienischen Fernsehsender live übertragen wurde, zog er eine direkte
Linie von der Weihnachtsgeschichte zum Los der Menschen, die auf der Flucht vor
dem Terror der IS Milizen sind. "Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachten. Ihr
seid wie Jesus in der Nacht seiner Geburt: Für ihn gab es keinen Platz, er wurde
verjagt und musste nach Ägypten fliehen, um sich zu retten."
"Gott kennt keine Ungeduld"
"Es begab sich aber zu der Zeit" - in der feierlichen Christmette im Petersdom
wurde die Geschichte von der vergeblichen Herbergssuche von Maria und Josef
und von der Geburt Jesu in einem Stall auf Latein vorgetragen. Für Papst
Franziskus ist dieses Evangelium ein Beweis für die Geduld Gottes mit den
Menschen. Trotz Gewalt, Krieg, Hass und Unterdrückung habe Gott die
Menschheit nicht aufgegeben: "Auf dem Weg durch die Geschichte offenbart uns
das Licht, welches das Dunkel durchbricht, dass Gott ein Vater ist und dass seine
geduldige Treue stärker ist als die Finsternis und die Korruption. Das ist die
eigentliche Botschaft der Weihnacht. Gott kennt keinen Wutanfall und keine
Ungeduld."
Botschaft von der Zärtlichkeit Gottes
Das Kind in der Krippe ist für diesen Papst der Wunsch Gottes dem Menschen so
nahe wie möglich zu kommen, "ihn zu umarmen": "Das ist die Frage, die das
Christuskind uns mit seiner Gegenwart stellt: Lasse ich zu, dass Gott mich lieb
hat?", fragte der Papst. "Gehen wir noch einen Schritt weiter: Haben wir den Mut,
mit Zärtlichkeit die schwierigen Situationen und die Probleme des Menschen
neben uns mitzutragen, oder ziehen wir es vor, sachliche Lösungen zu suchen, die
vielleicht effizient sind, aber der Glut des Evangeliums entbehren? Wie sehr
braucht doch die Welt von heute Zärtlichkeit!"
Auch an diesem Weihnachtsfest hat sich Papst Franziskus Menschen in Not und
Armut besonders zugewandt. Nicht nur den Flüchtlingen im Irak. An Obdachlose
in Rom ließ er Schlafsäcke verteilen. Wertvolle Geschenke, die der Papst im Lauf
des Jahres erhalten hat, lässt er in einer Tombola für einen guten Zweck verlosen.
Franziskus ist der Papst der Armen, und Weihnachten ist für ihn das Fest der
armen und einfachen Menschen. "Das einfache Volk hat das Licht gesehen - jene,
die bereit waren, die Gabe Gottes anzunehmen. Nicht gesehen haben es die
Überheblichen, die Stolzen, diejenigen, die die Gesetze nach ihren persönlichen
Maßstäben festlegen, die in ihrer Haltung verschlossen sind."
24.12.2014, von Tilmann Kleinjung, ARD
Quelle und gesamter Artikel: http://www.tagesschau.de/ausland/papst-weihnachten-103.html