Nach dem Rücktritt des Parlamentspräsidenten Wolodymyr Rybak wurde
Olexandr Turtschynow am 22. Februar zum neuen Parlamentspräsidenten
gewählt.
Turtschynow gehört der Partei Vaterland der ehemaligen Ministerpräsidentin
Julija Tymoschenko an. Ferner stimmte das Parlament mit 328 Ja-Stimmen und
ohne Gegenstimmen für die Absetzung des Präsidenten Janukowytsch und
setzte Neuwahlen für das Amt des Präsidenten für den 25. Mai an.
Janukowytsch erklärte, das Votum des Parlamentes sei rechtswidrig. Er sprach
von einem Staatsstreich und verglich die politische Situation in der Ukraine mit
der Entwicklung in Deutschland in den 1930er Jahren. Einen Rücktritt vom
Präsidentenamt schloss er aus.
Im Laufe des Tages wurde Julija Tymoschenko aus der Haft entlassen.
Unmittelbar nach ihrer Freilassung erklärte sie, dass eine Diktatur gestürzt
worden sei. Es müsse nun alles getan werden, um sicherzustellen, dass kein
Demonstrant vergeblich gestorben sei. Ferner wolle sie bei der Präsident-
schaftswahl im Mai 2014 kandidieren. Anschließend flog sie nach Kiew und
forderte in einer Ansprache auf dem Maidan die Demonstranten zur Fort-
setzung der Proteste auf.
Am Sonntag, den 23. Februar, bestimmte das Parlament den erst tags zuvor
zum Parlamentspräsidenten gewählten Olexandr Turtschynow zum einst-
weiligen Nachfolger des abgesetzten Präsidenten Janukowytsch. Zudem
enthob es den bisherigen Außenminister Leonid Koschara seines Amtes.
Weiterhin erklärte das Parlament auf Initiative der nationalistischen Partei
Swoboda ein Gesetz von 2012 für ungültig, das eine offizielle Mehrsprachigkeit
für Regionen zuließ, in denen sprachliche Minderheiten einen Anteil über zehn
Prozent haben.
Am 24. Februar erklärte der Sprecher der Europäischen Kommission, die EU
habe die Entscheidung des ukrainischen Parlaments, Präsident Janukowytsch
des Amtes zu entheben, anerkannt. Auch erkenne die EU die Übergangsre-
gierung des Landes als legitim an und sei grundsätzlich auch weiterhin bereit,
mit der Ukraine das Abkommen über Assoziierung und freien Handel zu
unterzeichnen. Gespräche über das Abkommen würden allerdings erst nach
den Präsidentschaftswahlen wieder aufgenommen werden und nachdem eine
neue Regierung etabliert sei.