Bei der Wiener Syrien-Konferenz haben sich zahlreiche Staaten - darunter die
verfeindeten Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien, aber auch die USA und
Russland - auf einen Plan zur Beendigung des syrischen Bürgerkriegs
verständigt. Die Erklärung im Wortlaut:
"Bei einem Treffen in Wien, am 30. Oktober 2015, sind China, Ägypten, die EU,
Frankreich, Deutschland, der Iran, der Irak, Italien, Jordanien, der Libanon, der
Oman, Katar, Russland, Saudi-Arabien, die Türkei, die Vereinigten Arabischen
Emirate, das Vereinigte Königreich und die USA zusammengekommen, um die
ernste Situation in Syrien zu erörtern und wie der Gewalt so schnell wie mög-
lich ein Ende gesetzt werden kann.
Die Teilnehmer führten offene und konstruktive Gespräche über die wichtig-
sten Fragen. Obwohl es immer noch wesentliche Meinungsverschiedenheiten
zwischen den Teilnehmern gibt, konnten sie sich auf folgende Punkte
verständigen:
1. Die Einheit, Unabhängigkeit, territoriale Integrität und der weltliche Charakter
Syriens sind von grundlegender Bedeutung.
2. Die Institutionen des Staates werden intakt bleiben.
3. Die Rechte aller Syrer, egal welcher Ethnie oder Religion, müssen geschützt
4. Es ist unbedingt notwendig, die diplomatischen Bemühungen zur
Beendigung des Krieges zu beschleunigen.
5. Im gesamten Staatsgebiet Syriens soll humanitärer Zugang gewährleistet
werden, und die Teilnehmer werden ihre Unterstützung für Vertriebene,
Flüchtlinge und deren Gastländer verstärken.
6. DAES (Islamischer Staat) und andere vom UNO-Sicherheitsrat und den
Teilnehmern identifizierte Terrorgruppen müssen besiegt werden.
7. Auf Grundlage der Genfer Erklärung 2012 und der UNO-Sicherheitsratsreso-
lution 2118 laden die Teilnehmer die UNO ein, Vertreter der syrischen Regier-
ung und der syrischen Opposition zusammenzuführen für einen politischen
Prozess, der zu einer glaubwürdigen, umfassenden und konfessionsunab-
hängigen Regierung führen soll, gefolgt von einer neuen Verfassung und
Wahlen. Diese Wahlen müssen unter UNO-Aufsicht zur Zufriedenheit der
Staatsführung und nach höchsten internationalen Standards von Transparenz
und Verantwortlichkeit sowie frei und fair unter Beteiligung aller Syrer,
einschließlich der Diaspora, durchgeführt werden.
8. Der politische Prozess wird von Syrern und durch Syrer geführt, und das
syrische Volk wird die Zukunft Syriens bestimmen.
9. Die Teilnehmer werden gemeinsam mit den Vereinten Nationen Möglich-
keiten für einen landesweiten Waffenstillstand und seine Umsetzung son-
dieren, der zu einem bestimmten Zeitpunkt und parallel zu diesem erneuerten
politischen Prozess beginnen soll.
Die Teilnehmer werden die nächsten Tage daran arbeiten, einander in jenen
Bereichen, in denen sie Meinungsverschiedenheiten haben, näher zu kommen,
und dort aufzubauen, wo sie übereinstimmen. Die Minister werden innerhalb
von zwei Wochen wieder zusammenkommen, um ihre Gespräche fortzu-
setzen."
Quelle: http://www.orf.at/stories/2307035/2307027/