Punto Cero ist gemäß Juan Sánchez ein riesiges, dreißig Hektar umfassendes
Gelände, das im Westen von Havanna liegt, und nicht weit entfernt vom Meer ist.
Vier Gärtner sind mit der Pflege des bepflanzten Parks betraut, der ein Herrenhaus
von fünfhundert Quadratmetern Grundfläche umgibt. In dem Park befindet sich ein
Schwimmbad von fünfzehn Meter Länge, es gibt sechs Gewächshäuser, in denen
Obst und Gemüse angebaut wird, und eine große Spielwiese für die Kinder.
Außerdem gibt es ein zweites Wohngebäude, wo die Leibwächter der Eskorte
Fidel Castros sowie das gesamte Hauspersonal untergebracht sind.
Sanchez schreibt dazu: „Mit seinen Orangenbäumen, Zitronenbäumen,
Mandarinenbäumen, Grapefruitbäumen und Bananenstauden gleicht der Park
einem wahren Garten Eden. Vor allem, wenn man seine Schätze mit der brühmten
libreta vergleicht, dem Rationierungsheftchen, das allen Kubanern – einschließlich
unserer Truppe von Leibwächtern – die Bezugsmenge von Lebensmitteln vorgibt:
fünf Eier pro Person und Monat, 500 Gramm Hähnchenfleisch, 250 Gramm Fisch,
250 Milliliter Öl, außerdem schwarze Bohnen, Milchpulver (das Kindern unter
sieben Jahren vorbehalten ist) sowie ein Brot pro Tag. Diese Mengen sind offen-
kundig nicht ausreichend, um länger als zwei Wochen damit auszukommen, und
zwingen somit die unglücklichen Kubaner, sich alle möglichen Tricks einfallen zu
lassen, um ihren Hunger zu stillen.
Das unermesslich große Anwesen der Castros ist geschmackvoll im klassischen
Stil der Herrenhäuser auf den Antillen eingerichtet:Es gibt Fensterläden zum
Schutz vor der Sonne, neben Korbmöbeln finden sich Stücke aus Tropenhölzern,
die Wände zieren Aquarelle und Porzellanteller. Hinzu kommt eine Fülle von
Büchern in den Bibliotheken und auf den niederen Tischen. Eine der Hausan-
gestellten, Zoraida, überwachte den reibungslosen Ablauf der alltäglichen
Arbeiten, sie sorgt in den Privaträumen von Fidel und Dalia (in der ersten Etage)
und in den Gemeinschaftsräumen (den im Erdgeschoss liegenden Wohnzimmern
und dem Esszimmer) für Ordnung und kümmert sich um die Reinigung der
schmutzigen Wäsche der gesamten Familie. (…)
Zwei Köche (….) bereiten die Mahlzeiten zu, die dort am Tisch reserviert werden
… und zwar von einem Majordomus in schwarzer Livree namens Orestes Diaz!
Denn bei den Castros speist man wie in einem Restaurant, das heißt a‘ la carte.
Jeden Abend stellt Dalia vor dem Zubettgehen den Speiseplan für die drei Mahl-
zeiten des nächsten Tages (Frühstück, Mittagessen, Abendessen) zusammen, und
zwar für jedes Familienmitglied gesondert – je nach Vorlieben, Gewohnheiten und
Sonderwünschen. (….)
Der Gipfel der Vornehmheit besteht darin, dass jedes Familienmitglied seine
eigene Kuh besitzt. So soll dem individuellen Geschmack jedes Einzelnen
Rechnung getragen werden, denn der Säure- und Sahnegehalt der frischen Milch
fällt je nach Riendvieh sehr unterschiedlich aus. Folglich kommt die Milch dann
auch in ausgeschilderten Flaschen auf den Tisch: Die Zahlen auf den Klebe-
etiketten entsprechen den einzelnen Kühen.“ (S.75 ff.*)