Wieland Schneider schreibt dazu in seinem Buch „Krieg gegen das Kalifat“:
„Den Großteil der militärischen Last trugen bisher regionale Kräfte auf ihren
Schultern, wie etwa die Kurden im Nordirak und in Syrien. Der IS versucht, sich
über seine geschickte Propaganda stärker darzustellen, als er tatsächlich ist.
Eine Erhöhung des militärischen Drucks würde er rasch zu spüren bekommen.
Und Niederlagen auf dem Schlachtfeld kratzen an seinem Siegerimage und
vermindern damit auch seine Attraktivität für ausländische Kämpfer.
Ein konsequentes Abschneiden vom Nachschub könnte den IS – trotz der
intensiven Besteuerung seiner Untertanen – früher oder später in logistische
Probleme stürzen.
Solange der IS sein „Kalifat“ als erfolgreiches salafistisch-jihadistisches
Modell präsentieren kann, wird das auch andere Extremistengruppen
anspornen, die nun unter seinem Namen weltweit ihre Aktivitäten verstärken:
sei es in Nigeria, Libyen oder Ägypten.
Die USA und die europäischen Staaten müssen dabei helfen, die Ausbreitung
des IS zu verhindern. Doch sie müssen sich hüten, dabei einen alten Fehler zu
begehen: Sie dürfen nicht erneut uneingeschränkt auf repressive Regime
setzen und blind für deren Menschenrechtsverletzungen sein – in der
Hoffnung, diese Regime könnten der Bedrohung IS am besten Herr werden.
Denn wie sich schon 2011 zeigte, ist die Stabilität, die diese Machthaber nach
außen vermitteln, eine Scheinstabilität. Unter der Oberfläche brodelt es. Und
die Gefahr besteht, dass künftige Aufstände von Anfang an vom schwarzen
Banner des „Jihad“ angeführt werden.” (S.247ff.)