Der Deutsche Kilian Kleinschmidt (53) engagiert sich
seit 1988 als humanitärer Helfer in Krisengebieten.
Zuletzt leitete er Zaatari, eines der größten Flüchtlingslager in Jordanien, in
dem Gewalt und Gesetzlosigkeit herrschte, als er dort seinen Dienst antrat.
Und er schaffte das Unmögliche: heute herrscht Frieden und Menschen-
würde in dem einstmals berüchtigten Lager.
Wie er das schaffte? Indem er auf die Wünsche und Bedürfnisse der 
Menschen einging und es ihnen ermöglichte, weitgehend für sich selbst zu
sorgen. So funktioniert Zaatari heute ähnlich wie ein eigenes Dorf.
Es gibt einen Supermarkt, Schulen und Geschäfte und dank Kleinschmidt
hat dort heute jeder Geflüchtete ein eigenes Heim (= Container). Mehr dazu
siehe ...  
Kilian Kleinschmidt, geb. 1962 in Essen, später in Berlin als Sohn einer
Lehrerfamilie aufgewachsen, entscheidet er sich nach dem Abitur 1980 erst
einmal zu reisen. 1988 entdeckte er durch Zufall seine Berufung als
Entwicklungshelfer.
In den letzten zwanzig Jahren half er unter anderem bei der Organisation
eines Lagers für die so genannten »Lost Boys des Sudan«, war für die UNO
in Mogadischu im Jahr 1993 während der Militäroperation, bei der 18 Ameri-
kaner getötet wurden und die als Black Hawk Down-Vorfall Geschichte
schrieb, verbrachte zwei Jahre als Verbindungsmann zu den Rebellen der
Tamil Tigers in Sri Lanka und koordinierte eine der größten humanitären
Luftbrücken für Ruanda; dazwischen war er im Kosovo, in Kenia und
Uganda, bevor er als Senior Field Coordinator vom UNHCR nach Jordanien
ging, wo er das zweitgrößte Flüchtlingslager der Welt, Zaatari, an der syri-
schen Grenze, leitete. All das schilderte er in seine Memoiren, die 2015
veröffentlicht wurden. 
Seit seinem Abgang 2014 vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR ist er –
dank seiner Erfahrungen und des internationalen Netzwerks, das er sich im
Lauf der Jahrzehnte aufbauen konnte – als Berater enorm gefragt.
Auch von der internationalen Politik. So will die mexikanische Regierung
beispielsweise von ihm Hilfe für eine Initiative gegen Gewalt, die französi-
sche möchte Lösungsansätze für die Probleme in Calais, der bayrische
Integrationsbeauftragte schätzt Kleinschmidts Fachkompetenz und auch
die österreichische Bundesregierung hat sich nun seine Dienste gesichert.
Der seit Kurzem in Wien lebende Deutsche, wo er eine Firma gründete, die
sich mit innovativen Ideen in der Entwicklungshilfe beschäftigt, soll mit-
helfen, die chaotischen Zustände im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen zu
beenden.
Und was sagt Kilian Kleinschmidt zur europäischen Flüchtlingspolitik? 
Hier ein Interview von ihm ...
26.2.2016
Kilian Kleinschmidt