Das eine Leben fand im mittelalterlichen Indien statt. Rajiv Parti war damals ein
Prinz der Region und er sah sich, wie er damals die Bauern, die für ihn arbeiteten,
mit der Peitsche schlug:
„Ich war wütend, aber ich weiß nicht warum. Aus meiner Prinzenperspektive
gesehen erhob ich mich von meinem Thron und ging auf die Bauern zu. Ich
schwang eine Peitsche, während ich durch das kühle Gras ging. Ich musste nicht
befürchten, dass die Bauern sich wehren oder es mir vergelten würden, denn ich
hatte mehrere loyale Soldaten an meiner Seite, die ebenfalls Peitschen schwangen.
Ich konnte mich nicht erinnern, warum ich jene quälte, die so hart für mich arbei-
teten. Vielleicht war ich der Ansicht, dass sie nicht hart genug für mich arbeiteten,
vielleicht wollte ich ihnen meine Macht demonstrieren und damit eine Lektion
erteilen. Vielleicht hatte es für eine gute Ernte einfach nicht genug geregnet, und
ich gab ihnen die Schuld daran, dass das Wetter nicht perfekt war. Vielleicht
machte es mir einfach Spaß. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich den Bauern
noch mit Vergnügen auf den Rücken schlug, als sie schon am Boden lagen.
Ich weiß, dass mein Handgelenk furchtbar wehtat, als ich diese Schläge austeilte,
so sehr, dass sich schrecklich darunter litt und die Hand nicht mehr ohne diese
heftigen Schmerzen benutzen konnte.
Während ich diesem beschämenden Schauspiel zusah, blitzte plötzlich mein
jetziges Leben auf, in dem ich mir einen Bänderriss im rechten Handgelenk
zugezogen hatte. (….) War es, weil ich so gemein zu diesen Menschen gewesen
bin, zu diesen Arbeitern, die Führung und Weisheit von mir erwartet hatten und
nur die Peitsche bekamen?“ (S.77ff.*)
Das zweite Leben, das ihm im Jenseits gezeigt wurde, spielte sich in Afghanistan
im 19.Jahrhundert ab. Rajiv Parti war damals einer der führenden Opiumproduzen-
ten der Region. Er verdiente sehr viel Geld mit dem Verkauf des Mohns - doch er
war selbst opiumsüchtig geworden.
Als Parti diese frühere Inkarnation bewusst wurde, erkannte er den Zusammenhang
mit seinem jetzigen Leben: „Diese Sucht ist mir wieder auferlegt worden, dachte
ich, als ich sah, wie mein Ich aus dem 19. Jahrhundert hochgradig süchtig mach-
ende Opiate konsumierte. Meine Sucht nach modernen Drogen unterschied sich
überhaupt nicht von jener Sucht, die ich mehr als ein Jahrhundert zuvor erlebt
hatte. Vicodin oder Opium, alles das Gleiche. Der einzige Unterschied war, dass
ich es in einem früheren Leben erlebte. Was bedeutet das? Fragte ich mich. Es
bedeutet, du weißt jetzt, dass du immer wieder mit den Herausforderungen der
Vergangenheit konfrontiert wirst, sagte die universelle Stimme, die telepathisch
bei mir war. Du bekommst ein weiteres Leben und eine neue Chance, dein Sucht-
verhalten zu ändern und deine Abhängigkeit zu heilen.“
Parti erkannte, dass er in seinem aktuellen Leben Verhaltensweisen aus seinen
früheren Leben wiederholte, indem er den Bedürftigen mit einem Mangel an Liebe
und Fürsorge begegnete und seinen materiellen Wohlstand und sozialen Status
missbrauchte und sich mit Schmerzmitteln und Antidepressiva gefühllos für das
machte, was Leben wirklich bedeutet: „Als mir diese Einsicht kam, wurde ich von
einer weiteren Welle der Erkenntnis überflutet: Wenn ich nach dieser Operation
noch am Leben war, musste ich diese Muster vollkommen durchbrechen und ein
ganz anderes Leben führen. Vielleicht würde ich dann noch eine Chance bekom-
men, meine Fehler und Schwächen in den Griff zu bekommen.“ (S.81ff.*)