Wieland Schneider beschreibt die Begegnung mit dem PKK-Kommandanten,
die im Frühjahr 2013 im Hauptquartier der Organisation im Qandil-Gebirge
stattgefunden hat, folgendermaßen:
„Es ist fast eine halbe Tagesreise von Erbil bis in die nordirakischen Qandil-
Berge. Dort, nur unweit der Grenze zum Iran, hat die PKK in einem weitläufigen
Labyrinth aus schmalen Tälern, bewaldeten Hängen und noch aufragenden
Gipfeln ihr Hauptquartier verborgen.“
Dort fand das Treffen mit Murat Karayilan, Vorsitzender des Exekutivrates der
PKK-Dachorganisation KCK, Oberkommandierender der PKK-Guerillaeinheiten
„Volksverteidigungskräfte“ (HPG), de facto Nummer zwei in der gesamten
Bewegung nach Abdullah Öcalan, statt.
Dieser bestätigte gegenüber W.Schneider, dass der Abzug der PKK-Kämpfer
aus der Türkei in den Nordirak bereits voll im Gange sei: „Ein historischer
Prozess hat begonnen. Wir wollen die kurdische Frage lösen und der Türkei
Frieden bringen.“, sagt Katayilan. Er sprach von einem mehrstufigen Prozess,
in dem in weiterer Folge auch Versöhnungs- und Gerechtigkeitskomitees
eingesetzt werden sollen – um zu untersuchen, was im Kampf zwischen der
Türkei und der PKK geschehen sei und was davon die Regeln des Krieges
verletzt habe. Er erwähnt dabei die „vielen Morde“ durch den türkischen Staat,
räumt aber auch „Fehlverhalten“ der PKK ein. „Wir wollen, dass beide Seiten
akzeptieren, was sie getan haben und dass sie einander vergeben. Denn wenn
man all die Fehler des Krieges verbirgt, kann man darauf keinen Frieden auf-
bauen.“
Von der Regierung in Ankara erwartete sich der PKK-Vorsitzende die Stellung
der Kurden zu verbessern, sie als Volk in der türkischen Verfassung zu veran-
kern.
Von ihrer einstigen Forderung nach einem eigenen Land für die Kurden hat
sich die PKK im Übrigen mittlerweile verabschiedet. Das unterstrich auch
Karayilan in dem Gespräch mit W.Schneider: „Es wird Frieden, Demokratie und
Sieg für die Kurden geben, aber keinen Nationalstaat. Wir sagen Ja zur Freiheit,
aber Nein zum Nationalstaat. Der Staat ist die Quelle der Gewalt und löst die
Probleme der Menschen nicht.“
Die PKK strebt vielmehr einen sogenannten „Demokratischen Konfödera-
lismus“ an – eine Idee Öcalans aus dem Jahr 2005. Kern dieses Konzeptes:
Ohne die Staatsgrenzen im Nahen Osten zu verändern, sollen die Völker
basisdemokratische Einheiten schaffen und sich damit – auf regionaler und
lokaler Ebene – selbst regieren.