Unter dem Einfluss europäischer Ideen entwickelten die Kurden nach dem
1.Weltkrieg ein eigenes Nationalgefühl.
Nach der Niederlage des Osmanischen Reiches gegen die Alliierten wurde den
Kurden im Vertrag von Sèvres eine autonome Region in Aussicht gestellt.
Daraufhin kämpften die Kurden im türkischen Unabhängigkeits- und
Befreiungskrieg an der Seite der Türken gegen die Besatzungsmächte.
Doch aus den Versprechungen wurde nichts. Nach dem Sieg konnte die Türkei am
24. Juli 1923 im Vertrag von Lausanne die Bestimmungen aus dem Vertrag von
Sèvres revidieren.
Auf der Grundlage des Lausanner Vertrages erkannte die am 29. Oktober 1923 von
Mustafa Kemal Atatürk ausgerufene Republik Türkei die Kurden nicht als
ethnische Minderheit an. 
Eine Reihe von Aufständen, wie der Koçgiri-Aufstand von 1920, der Scheich-Said-
Aufstand unter Führung von Scheich Said 1925, der Ararat-Aufstand 1926–1930
und der Dersim-Aufstand 1938 wurden von der türkischen Armee niedergeschla-
gen.
In der Türkei war der Gebrauch der kurdischen Sprache bis vor einigen Jahren
verboten. So hieß es im dritten Abschnitt und Artikel 42 der Verfassung von 1982,
die größtenteils heute noch gültig ist: “Außer Türkisch kann keine andere Sprache
als Erziehungs- und Bildungssprache den türkischen Staatsbürgern als
Muttersprache gelehrt werden.”
Kurdischsprachige Medien waren bis 1991 verboten. In Art. 2 des Gesetzes Nr.
2932 hieß es dazu: “Die Darlegung, Verbreitung und Veröffentlichung von
Gedankengut in einer anderen Sprache als der ersten Amtssprache der von der
Türkei anerkannten Staaten ist verboten.”
Türkisch wurde gesetzlich als Muttersprache aller türkischen Staatsbürger fest-
gelegt. Der Strafrahmen bei Verstößen gegen dieses Gesetz betrug laut Art. 4
sechs Monate bis zwei Jahre Haft.
Nach dem Beginn des bewaffneten Kampfes der PKK 1984 gegen den Staat
verschlechterte sich die Situation der Kurden im Südosten der Türkei. Über ein
Jahrzehnt galt in den betroffenen Provinzen der Ausnahmezustand.
Nah-Ost-Experte W.Schneider schildert den jahrzehntelangen Krieg folgender-
maßen: “Die türkische Armee zerstörte Tausende Dörfer in den Kurdengebieten,
Kommandos des Geheimdienstes führten gezielte Morde aus. Die Repression galt
nicht nur den Guerillaeinheiten der PKK. Die kurdische Sprache und schon alleine
der Name Kurdistan waren verboten. Personen, die mehr Rechte für die Kurden
einforderten, wurden unter dem Vorwand verhaftet, „Propaganda für die
Terrororganisation PKK“ zu betreiben.
Aber auch die kurdischen Guerilleros waren wenig zimperlich. Sie töteten
kurdische Zivilisten, die sie der Kollaboration mit dem türkischen Staat
verdächtigten. Vor allem Anfang der 1990er-Jahre wurde Jagd auf Kritiker und
„Verräter“ in den eigenen Reihen gemacht und rivalisierende Gruppen wurden
eingeschüchtert. PKK-Führer Öcalan regierte intern immer autoritärer. Zugleich
gelang es der PKK aber auch, in den Kurdengebieten weite Teile der Landbe-
völkerung auf ihre Seite zu ziehen. Die Repression des türkischen Militärs erwies
sich als kontraproduktiv. Und die PKK versuchte, eng mit den Menschen in den
vielfach verarmten Dörfern zusammenzuarbeiten. Sie veranstaltete für sie
Schulungen, in denen  es nicht nur um Ideologie, sondern auch um allgemeine
Weiterbildung ging. Immer mehr junge Männer und Frauen aus den Dörfern
schlossen sich der kurdischen Untergrundbewegung an.  Für ihre daheim-
gebliebenen Eltern, Großeltern, Onkeln und Tanten bedeutete das gleichsam: die
Guerillaeinheiten, das sind unsere Kinder in den Bergen.
Um den Schlägen der türkischen Streitkräfte zu entgehen, verlegte die PKK ihr
Hauptquartier ins Nachbarland Syrien. Der dortige Machthaber Hafez al-Assad
gewährte Abdullah Öcalan Unterschlupf – sehr zum Ärger der türkischen Regier-
ung. Als Ankara dem Regime in Damaskus deshalb im Oktober 1998 mit Krieg
drohte, musste Öcalan Syrien verlassen. Nach einer Odyssee durch Europa setzte
er sich nach Afrika ab. 1999 wurde er von einem türkischen Sonderkommando in
Kenias Hauptstadt Nairobi gefangengenommen und in die Türkei gebracht. Im Juni
1999 verurteilte ihn ein türkisches Gericht zum Tode. Später wurde die Strafe in
lebenslängliche Haft umgewandelt. Seither wird Abdullah Öcalan auf der
Gefängnisinsel Imrali im Marmarameer festgehalten.
Schon in der Vergangenheit hatte die PKK immer wieder einen einseitigen Waffen-
stillstand ausgerufen. Und auch die Regierung des islamisch-konservativen Politi-
kers Recep Tayyip Erdogan versuchte, positive Signale auszusenden: Erstmals
gestand der türkische Staat ein, dass es Kurden gibt.
Doch auf dem Schlachtfeld kehrte keine Ruhe ein. 2007 hatte sich die militärische
Lage sogar nochmals verschärft: Mit der Zustimmung der Kurden-Regierung in
Erbil griffen die türkischen Streitkräfte mit Kampfflugzeugen und Luftlandeein-
heiten Stellungen der PKK in der nordirakischen Kurdenregion an. (Schneider*,S.90)
 
*) Wieland Schneider, “Krieg gegen das Kalifat”, 2015, Braumüller
                                                    Ursachen des Kurdenkonflikts