Das Wort Punk aus dem Englischen bezeichnet in der Hauptbedeutung faulendes Holz,
also etwas Wertloses, was allenfalls als Zunder taugt. Das Wort ist erstmals für 1596
belegt und wurde wenig später auch von William Shakespeare verwendet, z. B. in Maß
für Maß, wo es eine Prostituierte bezeichnet. Später gab es eine Bedeutungsverschieb-
ung von „Prostituierte“ auf „Homosexueller“, insbesondere für den empfangenden
Partner. Ab etwa 1923 wurde damit eine unerfahrene Person oder ein Neuling bezeich-
net, vor allem auch im kriminellen Umfeld, mit Anspielung auf die sexuelle Bedeu-
tung. In Bezug auf einen musikalischen Stil verwendete der Gitarrist der Patti Smith
Group, Lenny Kaye, den Begriff „punk rock“ 1972 erstmals in den Erläuterungen einer
von ihm veröffentlichten Anthologie Nuggets über den US-amerikanischen
Garagenrock der 1960er Jahre.
In den 1970er Jahren gelangte der Begriff in die Soziale-Rollen-Diskussion im Feld
der US-Pädagogik mit Delinquenten. Jene Jungen, die die unterste Stufe einer Peer
Group oder Gang bildeten, waren in der Szenesprache Scapegoats, Queers, Rats oder
Punks.
Nach Großbritannien gebracht wurde der Begriff „Punk Rock“ durch die
Musikjournalistin Caroline Coon, die damalige Freundin von Paul Simonon, dem
Bassisten von The Clash. Sie bezeichnete mit dem Begriff die damals jungen englischen
Rockbands wie die Sex Pistols, The Clash und The Damned. Vorher war in England für
diese Art von Musik der Begriff „Working Class Rock ’n’ Roll“ geläufig.
Der musikalische Ursprung des Punk Rock lag im Garagenrock der 1960er Jahre. Als
erste Proto-Punk- bzw. (seit 1972) Punk-Rock-Bands in Amerika zwischen 1965 und
1974 gelten The Sonics, MC5, The Stooges, die New York Dolls, die Ramones, sowie
die Patti Smith Group. Auch The Velvet Underground gelten mit ihrer nihilistischen
Attitüde und provokativen Performances als Vorreiter. Als Zentrum des ursprünglichen
US-amerikanischen Punk Rocks gilt der Club CBGB in New York. Musikalisch
handelte es sich dabei um eine einfache und rohe Form von Rock ’n’ Roll und
Beatmusik. Sie grenzte sich deutlich zur damaligen Hippie-Bewegung mit deren
komplexen künstlerischen Ausdrucksmitteln und naivem Idealismus ab.
Den Mainstream-Rock dieser Zeit dominierten unterdessen Bands wie Pink Floyd,
Genesis, Emerson, Lake and Palmer, Grateful Dead, Iron Butterfly oder Led Zeppelin,
denen vorgeworfen wurde, mit ihrem „Bombast-Rock“ von hohem künstlerischem
Anspruch einen großen Graben zwischen Künstler und Konsument zu schaffen und sich
in technischem Perfektionismus, als der ihre verhältsnismäßig aufwändigen Aufnahmen
und Konzerte aufgefasst wurden, zu gefallen.
Die übrige Unterhaltungs-Musik hingegen wurde Mitte der 1970er vor allem von der
Discokultur geprägt, die alle tiefer gehenden Inhalte oder Botschaften von vornherein
abgelegt hatte und sich ganz auf Tanz und Mode für den zahlungswilligen Konsumenten
reduzierte.
Demgegenüber gaben sich die ersten Punk-Rock-Bands aggressiv, unversöhnlich,
nonkonformistisch und illusionslos. Sie spielten mit den klassischen Mitteln des Rock
’n’ Roll (Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug) aggressive, schnelle, kurze und einfache
Songs statt epischer, komplex komponierter Lieder. Die Texte bestanden hauptsächlich
aus Betrachtungen über das (eigene) Leben und Leiden als Jugendlicher, über den Kick
der Selbstzerstörung, aus Anklagen und Beschimpfungen, oder auch aus reinem
Dadaismus.
Auch wenn die meisten ersten Punk-Rock-Bands aus New York kamen – zu einer
echten Bewegung wurde der Punk in London.
Was bei den New Yorker Punk Rock Bands künstlerisches Programm war, verband sich
in Großbritannien mit dem eher diffusen, meist noch apolitischen Groll, den viele
Jugendliche gegenüber sämtlichen Institutionen empfanden, und wurde so zu einer
breiten subkulturellen Strömung. Zu den Ursachen für die Frustration englischer
Jugendlicher bezüglich der sie umgebenden Regeln gehörte der mangelnde Halt durch
die Schulen und mangelnde Aussichten im Berufsleben, bedingt durch die
Wirtschaftskrise und das steife englische Klassensystem.
Die dreckigen und schnoddrigen Elemente des Punk Rock wurden hier zum Programm:
das Establishment, und damit der Status quo der Gesellschaft in ihrer Gesamtheit,
wurde offen abgelehnt und brüskiert. Die herrschenden Werte wie auch die herrschende
Ästhetik wurden durch einen radikalen Nonkonformismus negiert. Die Bewegung
versuchte nicht, sich etwa durch künstlerische Qualität in ihrem Anliegen verständlich
zu machen, sondern betonte gerade das Unvollkommene, Dreckige, das radikal
Individuelle und Unvermittelbare der eigenen Musik und Lebensweise. Man war nicht
der Auffassung, dass Kritik an dieser Gesellschaft in ihr auch konstruktiv wirken müsse.
Im Mittelpunkt stand die eigene Subjektivität, das eigene Leiden am Zustand der Welt,
das sichtbar gemacht und so gegen sie gewendet werden sollte. Dazu gehörte für die
meisten auch ein exzessiver Konsum von Alkohol und anderen Drogen. Getanzt wurde
ab 1976 Pogo, wütend mit- und gegeneinander tanzend wurde das Publikum so zum
eingeschworenen Mob. Man sah sich auf sich allein gestellt und vertraute niemandem:
Die Arbeiterbewegung und die Neue Linke wurden ebenso abgelehnt wie das
herrschende System.
Ästhetisch bedeutete diese Haltung eine bewusste Zelebrierung des Dilettantismus: Man
kokettierte damit, dass man nur drei Akkorde auf der Gitarre beherrschte – gemäß einer
Zeichnung einer Drei-Akkord-Folge mit dem Text: „this is a chord, this is another, this
is a third. Now form a band“ in einer 1976er Ausgabe des Fanzines Sideburns;[12]
Gitarrensoli und jede Form von Virtuosität waren als „Star-Gesten“ verpönt. Die Idee
war, nicht einfach neue Stars zu schaffen, sondern die Kunst selbst zu machen: do it
yourself, Eigenproduktion der Kleidung (notfalls aus dem Altkleidercontainer),
Eigenvertrieb und Eigenproduktion der Musik (notfalls mit gestohlenen Instrumenten,
wie bei den Sex Pistols). So entstand eine Gegenkultur mit eigenen Ausdrucksformen:
Hässlichkeit als Programm, zerfetzte Kleidung, Sicherheitsnadeln im Gesicht, mit
Kopiergeräten billig hergestellte Zeitschriften (Fanzines) und spontane dadaistische
Aktionskunst.
Neben dieser anti-kommerziellen, anti-bürgerlichen und generell anarchischen Haltung
gehörte zum Punk andererseits aber auch eine radikale Selbstvermarktung, Imagepflege
und In-Szene-Setzung, vor allem durch die Sex Pistols und ihren Manager Malcolm
McLaren. Diese Erschaffung neuer Idole stand von Anfang an in einem offenen
Gegensatz zum Nonkonformismus des Punk, was schon damals für die nun immer
erfolgreicher werdenden Bands die Frage aufwarf, wie eine fundamentale Antihaltung
gegenüber der sie vereinnahmenden Musik- und Modeindustrie – wie auch gegenüber
den nach immer neuen Stars verlangenden Fans – denn überhaupt aufrechtzuerhalten
sei. Und auch, was mit einem solchen Nonkonformismus letztlich eigentlich bezweckt
werden solle.
Von der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde die entstehende Punk-Kultur in England,
als die Sex Pistols mit ihren Singles Anarchy in the UK (1976) und God Save the Queen
(1977) Aufsehen erregten. In kurzer Zeit entstand eine Unzahl neuer Bands.
Die wichtigsten britischen Bands dieser Zeit sind: Sex Pistols, The Clash, The Damned,
The Adverts, The Slits, The Stranglers und Stiff Little Fingers.
Anfang der 1980er Jahre verbreitete sich der Punk über die ganze Welt, und es
entstanden verschiedene Punk-Szenen in fast allen Ländern Europas, Amerikas und
Ostasiens, insbesondere auch in den sozialistischen Staaten des Ostblocks. Zugleich
wurde der Punk ernsthafter, aggressiver und in gewissem Sinne politischer. Diese
Entwicklung wurde vor allem durch das Aufkommen des Hardcore Punk markiert, der
statt bloßem Nonkonformismus radikale soziale und politische Forderungen formulierte.
Die Ausrichtung war dabei meistenteils eindeutig links – gegen das wieder konserva-
tiver gewordene Establishment, gegen die aufkommende Yuppie-Kultur, gegen stereo-
type Klischees von Geschlechterrollen, gegen Rassismus und sonstige als bürgerlich
wahrgenommene Vorurteile.
Quelle: Wikipedia, die freie Enzyklopädie,
dort gibt es weitere Quellenangaben