Schenk u.Schrieble-Rümmele schreiben dazu:  „Wenn dann, wie das in den
vergangenen Jahren unter diesem Druck bereits passiert ist, Lücken im
Sozialsystem entstehen, werden genau diese als Beweis dafür herangezogen,
dass das System nicht funktioniere. Der Lösungsansatz: sparen. Denn ein
nach wie vor teures System, das nicht alle Menschen erreiche, sei schlecht und
müsse entsprechend reformiert werden. Und damit möglichst niemand auf die
Idee kommt, dass hier doch ein soziales Netz zerstört wird und ihm Hilfen und
Ausgleichszahlungen weggenommen werden, werden Schuldige präsentiert:
Langzeitarbeitslose, Zuwanderer, Alte.
Dazu kommt die globale wirtschaftliche Entwicklung: Der Ausbruch der Finanz-
krise 2007 führte dazu, dass viele Staaten zur Rettung der Banken Notkredite
aufnehme mussten.  Das Geld wurde knapp und die Zinsen stiegen. Damit ge-
rieten einige EU Staaten in erhebliche wirtschaftliche Probleme bis hin zur
Zahlungsunfähigkeit.
Gespart wurde in den Sozialsystemen. In ganz Europa und auch den USA
gingen nach der Finanzkrise Menschen auf die Straße und kritisierten: „Wir
zahlen nicht für eure Krise“ und meinten damit jene, die für die Krise ver-
antwortlich waren.
Heute wissen wir: es ist genau das eingetreten: die Allgemeinheit zahlte für die
Krise von einigen wenigen.
Die gängige Antwort vieler Ökonomen war in der Krise, dass die Fehlentwick-
lungen nur durch Lohnsenkungen und den Abbau von Sozialleistungen korri-
giert werden kann. 
Die Lösung für die Wirtschaftskrise beruhte auf strengen Sparanforderungen
und erhöhtem Druck auf Arbeitsmarkt und Sozialsysteme, die sich massiv zu
Lasten der Lebensbedingungen der Menschen auswirken.
Quelle: Martin Schenk / Martin Schriebl-Rümmele, “Genug gejammert - Warum
            wir gerade jetzt  ein starkes soziales Netz brauchen”, 2017,
            Ampuls-Verlag, S.17ff. (www.gesundkommunizieren.at)