Am 01. Januar 2017 um 17:47 von claireannelage
Wenige Stunden vor dem Blutbad in der Istanbuler Nobeldisko Reina hat
Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan das türkische Volk noch auf harte Zeiten
eingeschworen. Der Kampf gegen den Terrorismus werde mit unverminderter
Härte fortgesetzt, hat er seinen Landsleuten verkündet. Die Türkei befinde sich in
einer ähnlich bedrohlichen Lage wie zu Zeiten des Befreiungskrieges gegen
ausländische Invasoren und Besatzer vor bald 100 Jahren.
Normalerweise ist das Ziel von Terroristen nicht die Ermordung von Menschen,
diese dienen lediglich als Mittel zum Zweck, das Vertrauen in den Staat zu
untergraben ist das primäre Ziel.
Hier funktioniert es nicht, Erdogan weiss jede noch so brutale Tat zu seinen
Gunsten zu nutzen. Es ist geradezu abartig.
Mein Beileid den Angehörigen der Opfer.
Am 01. Januar 2017 um 18:24 von Inge N.
Ausweg aus der Eskalation
Der brutale Anschlag auf den Istanbuler Club ist ein Verbrechen und trägt die
Handschrift des IS.
Es gäbe eine Möglichkeit den IS wirksam zu bekämpfen, mit den Kurden
gemeinsam in der Türkei und in Syrien.
Statt aber im Kurden-Konflikt sich auf einen Waffenstillstand und einen Friedens-
plan zu einigen und gemeinsam den IS zu bekämpfen, wurden laut Amnesty Inter-
national eine halbe Million Kurden aus ihren Häusern gezwungen und Städte wie
Cizre zerbombt. Gemeinsam wäre es möglich, den IS zu bezwingen, in Kobane hat
sich erstmals gezeigt, dass er besiegbar ist.
Die türkische Regierung unterscheidet nicht zwischen TAK, PKK und HDP; es
gibt keinen Versuch, diejenigen zu gewinnen, die für eine politische Lösung sind.
Und jeder, der das Vorgehen im Südosten der Türkei kritisiert, wandert wegen
Terrorpropaganda ins Gefängnis.
In der Kurdenfrage wird sich zeigen: Unterwerfung kann nie zum Frieden führen.
Am 01. Januar 2017 um 18:36 von 0101
Eine Terrorgruppe fehlt doch in der Aufzählung, oder nicht?
Wenn sie schon einige Gruppen als Terrorgruppen bezeichnen, dann bitte
vergessen sie nicht die wichtigste.
Wenn ein Staat, auf Anordnung von ganz oben, auf Zivilisten schießen lässt, die
nicht Türken sind - was ist das anderes als ein Akt des Terrors?
Muss man dann nicht Erdogan und seine engsten Mitstreiter genau so als Terror-
gruppe bezeichnen? Ist nicht jede Gruppe, die aktiv den Tod Unschuldiger voran-
treibt, eine Terrorgruppe?
Um so schlimmer, wenn diese Gruppe aus den Leuten besteht, die die Türkei leiten
und sich bisher beharrlich weigern, den Völkermord an den Armeniern aufzu-
arbeiten.
Und wer nichts aus der Geschichte lernt, nichts lernen will - der macht die selben
Fehler wieder, oder will sie wieder machen. Ganz bewusst.
Der Terror in der Türkei hat viele Gesichter. Insofern kann ich dem Autor recht
geben: der Terror kann 2017 gar nicht besiegt werden. Zumindest so lange nicht,
so lange Erdogan an der Macht ist (Anm: oder so lange er seine Gesinnung nicht
ändert ...)
Am 01. Januar 2017 um 23:32 von fathaland slim
>>@um 22:26 von fathaland slim
Was wäre denn Ihr Vorschlag? Sollte sich die Türkei dem Terror ergeben?<<
Für Sie scheint es nur zwei Möglichkeiten zu geben. Entweder man ergibt sich
dem Terror oder man führt einen brutalen Krieg und sperrt das halbe Land ins
Gefängnis.
Beides ist kontraproduktiv.
Es gibt aber noch andere Möglichkeiten. Auch wenn Erdogan das bestreitet.
Ein Blick nach Nordirland, ins Baskenland oder nach Korsika könnte vielleicht
erhellend wirken. Da hat man sich nämlich nicht dem Terror ergeben. Und auch
keinen brutalen Krieg geführt.
Quelle: http://meta.tagesschau.de/id/119223/kommentar-der-schock-von-istanbul