Die Zaiditen (Zaidīya) bilden innerhalb des Islams einen Zweig der Schiiten. Sie
sind nach Zaid ibn Alī benannt, einem Enkel des Prophetenenkels Husain, der sich
740 in Kufa gegen die Herrschaft der Umayyaden erhob und dabei den Tod fand.
Die Zaiditen verfügen über eine eigene Rechtsschule und sind seit dem 9. Jahr-
hundert vor allem im Jemen verwurzelt, wo ihre Imame bis 1962 über ein
selbstständiges Fürstentum herrschten.
Lehre
Eines der wichtigsten Kennzeichen der Zaiditen ist ihre politische Theorie, nach
der das Imamat, die Führung der islamischen Gemeinde ausschließlich den
Nachkommen Mohammeds über dessen Enkel Hasan und Husain vorbehalten ist
(die meisten Zaiditen-Imame waren Hasaniden). In der engen Begrenzung auf
diesen Personenkreis unterscheiden sie sich von den Sunniten, denn nach deren
Lehre muss der Imam nur zu dem Stamm Quraisch gehören.
Die Zaiditen kennen nach Zaid ibn Ali jedoch keine einheitliche, feste Imam-
Reihe, der Imam muss sich vielmehr mit Waffengewalt durchsetzen und dabei
durch bestimmte Charakterqualitäten auszeichnen: Neben der Abstammung
muss er eine tiefe Kenntnis des islamischen Rechts (Fiqh) vorweisen können,
körperlich und geistig ohne Makel, männlichen Geschlechts, volljährig, recht-
schaffen, mutig und freigebig sein sowie Organisationstalent aufweisen.
Die Bestimmung erfolgt theoretisch auch nicht durch Wahl oder Designation des
Vorgängers, sondern durch Selbstproklamation (dawa „Ruf“) eines Prätendenten,
der alle Bedingungen der legitimen Führerschaft (schurut al-imama) in sich erfüllt
glaubt.
Wie die imamitischen Schiiten halten die Zaiditen Alī ibn Abī Tālib für besser
(afal) als Abū Bakr und Umar ibn al-Chattab, anders als diese erkennen sie
jedoch deren Kalifat als rechtmäßig an, weil dies Alī selbst auch getan hat.
Um die Mitte des 9. Jahrhunderts gründete al-Qasim ibn Ibrahim ar-Rassi (gest.
860) eine eigene zaiditische Rechtsschule. Diese hat sich nur noch in den nörd-
lichen Regionen der Republik Jemen erhalten.
Auf theologischer Ebene haben die Zaiditen stets die rationalistische Lehre der
Mu’tazila gepflegt, die stark von der griechischen Philosophie beeinflusst war und
sich besonders im Kalām, einer Form des religiösen Streitgesprächs mit rationalen
Argumenten, hervortat ....
Zaidit ist übrigens auch Muhammad Kalisch , der erste Professor                       
für islamische Religionslehre in Deutschland, siehe http://www.christoph-
fleischleischmann.de/pages/de/archiv_zum_lesen/gott_und_mensch/643.den_islam_gibt_es_a
uch_aufgeklaert.htm
Es gibt übrigens im Islam sehr viele unterschiedliche Glaubensrichtungen und
theologische “Rechtsschulen” - was heute oft vergessen wird.
So weist zum Beispiel der international renommierte Islamforscher Josef van Ess
darauf hin, dass es den “einen Islam” in Wahrheit nicht gibt.
Das zeigt sich schon an der Aufspaltung der Muslime in “Sunniten” und
“Schiiten”. Aber auch innerhalb dieser beiden großen islamischen Glauens-
richtungen gibt es wieder viele “Abweichungen”, worunter auch die Zaiditen und
Mutaziliten fallen.
Josef van Ess erklärt dies so: “Nach islamischer Darstellung kam es schon bald
nach Mohammeds Tod zu Spaltungen. Die ersten Abspalter seien die Kharidjiten
gewesen, die sich ihrerseits wieder in Ibaditen und Mutaziliten aufgedröselt haben
sollen. Die Abspaltung ("Schia") der "Partei des Ali" habe zum Schiismus geführt,
der sich selber wieder in zahlreiche und extrem unterschiedliche Richtungen
gliedert. Grund dieser Abspaltung seien stets theologisch-politische Zerwürfnisse
rund um die Mohammed-Nachfolge gewesen. Betrachtet man aber die ersten
"Aussteiger" wie Kharidjiten, Ibaditen oder Mutaziliten, so fällt die vollkommen
verschiedene Grundrichtung dieser Gruppierungen auf. Sie repräsentieren vor-
mohammedanisches christlich-gnostisches Gedankengut.
Die Gnostik war ausgehend vom 2. Jahrhundert eine bedeutende theologisch-
philosophische Bewegung im Orient, basierend hauptsächlich auf antiken und
manichäisch - persischen Anschauungen. Die Ibaditen ("Die Knechte Gottes")
waren eine Stammesföderation christlicher Araber aus dem südlichen Mesopo-
tamien. Der Mutazilismus kannte neben verschiedenen Evangelien auch den
Koran, stellte aber entgegen orthodoxer Meinung klar, dieser sei erschaffen und
dürfte daher diskutiert werden. Die Rationalität war oberstes Gebot. Als etwa der
mutazilistische Herrscher al-Mamun (786-833) von dem koranischen Bild einer
flachen Erde hörte, die seine Gelehrten nach hellenistischem Standard aber als
Kugel definierten, ließ er in der Steppe von Mossul nachmessen. Ergebnis: Eine
Kugel mit einem Umfang von umgerechnet 40 075 km (korrekt 40 235 km).”
(Quelle und gesamter Artikel siehe http://derstandard.at/1310511747251/Ich-stelle-das-
gaengige-Bild-auf-den-Kopf)
 
Zaiditen